Die Erlebnispädagogik ist Bestandteil der reformpädagogischen Bewegung der 20er Jahre. Als Begründer gilt Kurt Hahn (1886 - 1974). Hahn geht von einem kranken moralischen Gesellschaftsbild aus. Daher nennt er seinen Ansatz "Erlebnistherapie". Er sieht vier Mangelerscheinungen bei der damaligen Jugend und stellt diesen vier Elemente pädagogischen Handelns gegenüber:
- Mangel an körperlicher Leistungsfähigkeit: körperliches Training
- Mangel an Initiative: Expeditionen
- Mangel an Sorgfalt: Projektmethode
- Mangel an menschlicher Anteilnahme: Rettungsdienst
Heute ist die Erlebnispädagogik eine anerkannte Methode pädagogischer Arbeit und wird in zahlreichen Varianten von der Jugend- bis zur Erwachsenenbildung (Outdoor Trainings) eingesetzt.
Erlebnispädagogik beinhaltet das Arrangieren von neuen, meist fremden Situationen. In diesen Situationen können bestimmte Verhaltensweisen, Eigenschaften und Gruppenprozesse erfahrbar und lernbar gemacht werden. Der ganzheitliche Bildungsansatz versucht kognitive, emotionale und soziale Lernziele in den sog. "Schlüsselqulifikationen" erfahrbar zu machen.
Solche Schlüsselqualifikationen sind z.B.:
- Verantwortung übernehmen
- Gruppenprozesse erkennen und mitgestalten
- Vertrauen in andere haben
- sich auf Neues einlassen
- in Andere hineinversetzen
- Konfliktfähigkeit
Erlebnispädagogik hat nichts mit Action-Pädagogik oder Survivaltraining zu tun. Aktionismus steht hier nie im Vordergrund. Das entscheidende Element ist die Intensität des Erlebnisses. Die Aktionen stehen dabei nicht für sich alleine, sondern sind in einem pädagogischen Programm schlüssig integriert und werden ausgewertet. Das heißt, Entscheidungsprozesse müssen aufgearbeitet, Ängste angesprochen und Gruppenprozesse transparent gemacht werden. Die Persönlichkeiten der einzelnen, als Lernende in der Gruppe, stehen im Vordergrund. Die Leiter befinden sich dabei stets auf dem schmalen Grad zwischen zerreden und aufarbeiten.
Erlebnispädagogik ist also nicht vorhanden, sondern kann entstehen, "wenn die Elemente Natur, Erlebnis und Gemeinschaft im Rahmen von Natursportarten zielgerichtet miteinander verbunden werden" (Prof. Dr. Werner Michl).
Kernpunkte erlenispädagogischer Methodik sind somit:
- die gezielte Aufarbeitung und der Umgang mit Erlebnissen und Erfahrungen sowie der Versuch einen Transfer in den Alltag zu ermöglichen. Soziale Kompetenz wird zur selbst-erfahrenden, persönlich erlebten Qualität des eigenen Handelns.
- die Übergabe von Verantwortung in schwierigen Situationen: Nicht zu sagen "Du musst lernen, Verantwortung zu übernehmen", sondern den Teilnehmern die Gelegenheit zu geben, Verantwortung zu leben, um sie somit in ihre persönliche Identität eingliedern zu können.


